Weniger bekannt ist, dass Twitter zunehmend von Firmen genutzt wird, die erkannt haben, dass dieser Dienst seine ganz eigenen Möglichkeiten bietet.
Twitter ist ein Microbloggingdienst im Internet, mit dem Nachrichten bis zu einer maximalen Länge von 140 Zeichen versendet werden können, vergleichbar mit den SMS-Nachrichten der Mobiltelefone. Erfunden haben den Dienst die Amerikaner Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams, die im März 2006 zunächst damit begannen, Twitter in der unternehmensinternen Kommunikation einzusetzen. Ein Jahr später gründeten sie ihre eigene Firma und brachten Twitter ins Netz. Aktuell hat Twitter weltweit etwa 45 Millionen Nutzer und soll einen Marktwert von 1 Milliarde Dollar haben.
Wer sich bei Twitter eingeloggt hat, kann Kurznachrichten (Tweets) verfassen, auf die Nachricht eines anderen Twitter-Nutzers antworten oder die Meldungen von Leuten, Institutionen, Firmen verfolgen, die einem interessant erscheinen.Bisher sind die Anleitungen zum Einloggen und den Nutzungsmöglichkeiten von Twitter auf der Plattform nur in Englisch und Japanisch hinterlegt, in Kürze sollen Versionen in Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch im Netz stehen.
Die Firma Microsoft hat im Oktober 2009 damit begonnen, Twitter-Botschaften von ihrer Suchmaschine „bing“ durchsuchen zu lassen und zu indizieren, um so tagesaktuelle Informationen in die Liste der Suchergebnisse einzubinden. Google will in Kürze diesem Weg folgen.
Wer nutzt Twitter wie?
Nach einer Umfrage von Fittkau & Maaß Consulting vom Juli 2009 sind 89 % der Twitternutzer unter 44 Jahre alt. Sie lesen Nachrichten auf dem iPhone oder anderen internetfähigen Mobiltelefonen und beschaffen sich Informationen hauptsächlich im Internet.
Verwendet wird der Internetdienst von Privatleuten, Freelancern, Wissenschaftlern, Politikern, Medien und auch von Unternehmen. Barack Obama setzte die Möglichkeiten von Twitter konsequent in seinem Wahlkampf ein, um über seine Auftritte, seine Politik und seine Ideen zu informieren und um mit potenziellen Wählern in einen Dialog zu treten, die Medien wie Radio, Fernsehen oder Zeitungen nicht nutzen. Tages- und Wochenzeitungen weisen in den Kurznachrichten auf ihre aktuellen Artikel hin und führen den Leser (Twitter: Follower) so zu ihrem eigenen Onlineauftritt.
Wissenschaftler, Freelancer und andere nutzen Twitter, um über aktuelle Nachrichten und Ergebnisse direkt aus Workshops, Tagungen oder Konferenzen zu berichten. Entweder öffentlich oder in einem geschlossenen Twitter-Account, bei dem die Teilnehmenden entscheiden können, wer „beitreten“ darf.
Empfehlungsmarketing – das ist das Stichwort für den Einstieg von Unternehmen bei Twitter. Jedes Unternehmen kann einen selbst gestalteten Twitter-Account innerhalb der öffentlichen Plattform einrichten und Kurznachrichten zum Beispiel über Produktneuheiten, Produktveränderungen oder Sonderangebote veröffentlichen. Parallel können Firmen bei Twitter die Bezeichnungen ihrer Produkte oder Dienstleistungen in die Suche eingeben und herausfinden, ob eine öffentliche Diskussion von Kunden über Qualität oder auch Mängel der eigenen Firmenprodukte existiert. Es eröffnet sich die Möglichkeit, mit den Kunden in einen Dialog einzutreten und die Meinungsäußerungen bei der Entwicklung von Produkten und bei Vermarktungsstrategien zu berücksichtigen. Nach einer Umfrage, die das Team des E-Commerce-Leitfadens des ibi research Instituts durchgeführt hat, twittern in Deutschland bereits 1/3 der Online-Händler.
Jobs Recruiting – auch die Suche nach geeignetem Personal kann über Twitter erfolgen. In den USA nutzt laut einer Umfrage vom Mai 2009 bereits die Hälfte aller Unternehmen diese Möglichkeit. Entweder kann im Rahmen einer Kurznachricht bei Twitter der Link zu einer ausführlichen Stellenanzeige auf der firmeneigenen Website veröffentlicht werden oder die Personalverantwortlichen durchsuchen ihrerseits Twitter nach Berufsbezeichnungen.
Twitternde Unternehmen in NRW – zwei Beispiele
Über 1300 Interessierte folgen den Meldungen der E-Commerce Firma „Sonntagmorgen.com“ (http://twitter.com/sonntagmorgen) aus Münster, die ihren Kunden frisch gerösteten Kaffee zusendet. Die Inhaber informieren die Leser über die Entwicklung ihrer Produktpalette sowie Sonderaktionen und rufen sie zu Mitmach-Aktionen auf, zum Beispiel für die Gestaltung eines schokoladengefüllten Adventskalenders.
Unter der Headline „Hey there! MoritzFiege is using Twitter“ betreibt die Bochumer Privatbrauerei Fiege seit September 2008 ihren eigenen Twitter-Account (http://twitter.com/MoritzFiege). Mal werden banale Meldungen eingestellt wie „Guten Morgen vom Brauereigelände“, oder ein Tweet verweist auf ein kulturelles Ereignisse in Bochum: „RT @TheaterBochum Tatort-Darsteller stehen in Bochum auf der Bühne: http://tinyurl.com/yhj4mmf“. Hinter „Theater Bochum“ verbirgt sich ein Link zur Twitter-Seite des Theaters, die offensichtlich sehr regelmäßig mit Meldungen zu Aufführungen, noch vorhandenen Kartenkontingenten oder Workshops gefüttert wird. Die Kurz-URL „http://tinyurl.com/yhj4mmf“ innerhalb des Tweets führt zu einem Artikel auf dem Online-Portal der WAZ-Mediengruppe. Aktuell verfolgen etwa 450 Leute die Meldungen der Fiege Brauerei.
Twitter – eine kurzfristige Mode-Erscheinung?
Wie bei allen Social Media Plattformen (Weblogs, Wikis usw.) erstellen die Nutzer von Twitter gemeinsam die Inhalte dieses schnellen und sehr aktuellen Mediums. Ein Unternehmen, das Twitter erfolgreich nutzen will, muss ständig Meldungen und Dialoge produzieren die kurz und bündig kommuniziert werden können, und es benötigt für diese Aufgabe personelle und zeitliche Ressourcen.
„Das Web 2.0 bietet gute Möglichkeiten, aus Kunden Fans zu machen, aus Konsumenten Produktentwickler – und aus Käufern Werbeträger. Schon mit geringem Budget (nicht zu vergleichen mit klassischen Werbemitteln!) sind monetäre Erfolge messbar – wer da zu spät kommt, den bestraft wahrlich das Leben …“, meint Eva-Maria Ihnenfeldt von steady-news, die nicht nur einen Twitter-Account betreibt, sondern auch einmal wöchentlich einen Newsletter für Existenzgründer, Selbstständige, Unternehmen und Berater versendet.
„Die meisten Menschen in Deutschland wissen nicht, was ein Tweet ist, und schlafen trotzdem ruhig“, wird Peter Glaser in einem Artikel des Magazins brand eins zitiert. Viele Web 2.0-Fachleute, wie zum Beispiel Markus Beckedahl, Betreiber des Blogs „netzpolitik.org“, prophezeien aber, dass die Nutzung von Social Media Plattformen wie Twitter auch in Deutschland zunehmen wird bei gleichzeitiger Entwicklung neuer Formen und Werkzeuge.
Bisher erschienen in der Serie „Web 2.0 in der Beschäftigungsförderung“
- Teil 1, RSS-Feeds anbieten und abonnieren, G.I.B.INFO 2_2007
- Teil 2, Weblogs als Informationsquelle und Kommunikationsmedium, G.I.B.INFO 3_2007
- Teil 3, Wissen organisieren mit Wikis, G.I.B.INFO 4_2007
- Teil 4, Knoten im Taschentuch – Social Bookmarking, G.I.B.INFO 2_2008
- Teil 5, Dialoge im Netz – Online-Beratung in der Weiterbildung, G.I.B.INFO 2_2009
Autorin und Ansprechpartnerin in der G.I.B.
Links
Eine interaktive Karte, auf der man die aktuellen Twitter-Nachrichten verfolgen kann, die in deutscher Sprache gesendet werden. Gut geeignet, um sich einen ersten Eindruck von Twitter zu verschaffen.
www.youtube.com/watch?v=ojwedhzElsQ
Eine deutschsprachige Anleitung bei YouTube zum Anlegen eines Twitter-Accounts.
twitter.com/ecleitfaden
Informationen zum E-Commerce-Leitfaden des Instituts ibi research an der Universität Regensburg über Aufbau und Betrieb eines Online-Handels, u. a. Tipps für den Einsatz von Twitter.
www.bitkom.org/de/themen/54842_60374.aspx
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM) stellt einen Leitfaden mit dem Titel „Social Media Marketing“ als PDF zur Verfügung. Auch hier finden sich zahlreiche Tipps, wie Twitter im Bereich Marketing eingesetzt werden kann.
